Viele Katzenhalter gehen davon aus, dass ein steifer Gang oder Bewegungseinschränkungen schlicht zum Altern gehören. Doch Alter an sich ist keine Krankheit. Häufig stecken Schmerzen dahinter, etwa durch die Gelenkerkrankung Arthrose. Gerade weil Katzen Schmerzen gut verbergen, werden erste Anzeichen oft übersehen oder als normale Alterserscheinung fehlinterpretiert. Wie sich Arthrose bemerkbar macht, welche Warnsignale Halter ernst nehmen sollten und warum Veränderungen im Verhalten nicht automatisch „normales Altern“ bedeuten, erklärt Dr. Charlotte Reimann, Fachärztin für Innere Medizin der Kleintiere.
Frau Dr. Reimann, was genau ist eigentlich Arthrose?
Arthrose ist eine chronische und fortschreitende Gelenkerkrankung. Dabei baut sich der Knorpel im betroffenen Gelenk nach und nach ab. Das führt zu Schmerzen, Entzündungen und Bewegungseinschränkungen. Die Erkrankung entwickelt sich oft langsam und die Anzeichen sind nicht immer eindeutig. Viele Katzenhalter interpretieren erste Symptome wie Trägheit, häufigeres Liegen oder das Meiden von Treppen als normales Altern. Studien zeigen jedoch, dass rund 40 Prozent aller Katzen im Laufe ihres Lebens von Arthrose betroffen sind.¹ Bei Katzen über zwölf Jahre lassen sich sogar bei neun von zehn Tieren im Röntgenbild Anzeichen einer Arthrose erkennen.² Ursachen können Übergewicht, Fehlbelastungen oder die alltägliche Abnutzung der Gelenke sein. Auch frühere Verletzungen, angeborene Fehlstellungen oder Erkrankungen der Gelenke können das Risiko erhöhen. Trotz der hohen Zahl betroffener Tiere wird Arthrose bei Katzen noch immer häufig unterschätzt oder erst spät erkannt. Viele Menschen bringen Gelenkerkrankungen eher mit Hunden in Verbindung und rechnen bei Katzen nicht damit, dass chronische Schmerzen hinter Verhaltensänderungen stecken können.
Woran erkennt man, ob es sich um Alterserscheinungen oder eine Erkrankung handelt?
Die Unterscheidung fällt oft schwer, weil Katzen Schmerzen selten direkt zeigen. Natürlich verändert sich das Verhalten im Laufe der Jahre. Wenn eine zuvor aktive Katze plötzlich zögert aufzustehen, weniger springt oder sich zurückzieht, sollten Halter aufmerksam werden. Typische Hinweise sind Schwierigkeiten beim Treppensteigen, weniger Bewegung, vermehrtes Schlafen oder Probleme bei der Fellpflege. Manche Katzen vermeiden bestimmte Bewegungen komplett oder ziehen sich häufiger an ruhige Orte zurück. Auch Veränderungen im Sozialverhalten können auffallen. Einige Tiere reagieren empfindlicher auf Berührungen oder wirken gereizter als sonst. Andere spielen weniger oder verlieren sichtbar an Bewegungsfreude. Viele Katzen bewegen sich insgesamt vorsichtiger und vermeiden hohe Sprünge. Manche verändern sogar ihre Schlafposition oder brauchen länger, um sich nach Ruhephasen wieder zu bewegen. Solche Veränderungen entwickeln sich meist schleichend und werden deshalb leicht übersehen. Gerade deshalb lohnt es sich, auch kleine Veränderungen im Alltag bewusst wahrzunehmen.
Welche Mythen halten sich besonders hartnäckig rund um ältere Katzen?
Viele Halter sagen: „Sie ist halt alt und deshalb faul.“ Oder: „In dem Alter lohnt sich eine Behandlung nicht mehr.“ Diese Aussagen stimmen so nicht. Hinter vermeintlicher Faulheit steckt oft Schmerzvermeidung. Verhaltensänderungen sind häufig ein Zeichen von Unwohlsein. Ein weiterer Irrglaube ist, dass Arthrose nur sehr alte Katzen betrifft. Tatsächlich können auch jüngere Tiere erkranken, etwa nach Verletzungen oder bei Fehlbelastungen der Gelenke. Viele Menschen denken außerdem, dass man bei Arthrose nichts tun kann oder dass Schmerzen im Alter eben dazugehören. Dabei gibt es heute verschiedene Möglichkeiten, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu unterstützen. Ziel ist immer, der Katze möglichst viel Lebensqualität und Aktivität zurückzugeben. Viele Tiere wirken nach Beginn einer geeigneten Behandlung wieder deutlich beweglicher, interessierter und aktiver im Alltag. Auch die Beziehung zwischen Tier und Halter kann sich dadurch wieder entspannen, weil die Tiere weniger gereizt sind und/oder sich weniger isolieren.
Was können Katzenhalter konkret tun, um Gelenkerkrankungen vorzubeugen oder das Fortschreiten zu verlangsamen?
Gezielte Bewegungsanreize helfen dabei, die Mobilität zu fördern und die Muskulatur zu stärken. Geeignet sind langsame Lockspiele am Boden oder kleine Bewegungsübungen wie ein ruhiger Slalom um Möbelstücke. Auch das Übersteigen flacher Hindernisse kann unterstützen. Wichtig ist, dass die Katze ihr eigenes Tempo bestimmt und keine Sprünge aus großer Höhe machen muss. Ebenso wichtig ist ein gesundes Körpergewicht, denn Übergewicht belastet die Gelenke zusätzlich. Hilfreich können außerdem kleine Anpassungen im Alltag sein, zum Beispiel flache Einstiegsmöglichkeiten, rutschfeste Unterlagen oder leicht erreichbare Lieblingsplätze. Viele Katzen profitieren auch davon, wenn Futter-, Wasser- und Schlafplätze ohne große Sprünge erreichbar sind. Ein warmer, gut erreichbarer Schlafplatz entlastet zusätzlich die Gelenke. Auch Omega-3-Fettsäuren können sinnvoll sein, da sie entzündungshemmend wirken und die Beweglichkeit unterstützen. Entscheidend ist vor allem, die Katze nicht zu überfordern und Bewegungen positiv in den Alltag einzubauen.
Was raten Sie Katzenhaltern, wenn sie trotzdem noch unsicher sind?
Niemand kennt die eigene Katze besser als die Tierhalter selbst. Wenn man das Gefühl hat, das eigene Haustier ist nicht mehr ganz das Alte, sollte man ganz genau hinschauen, am besten gemeinsam mit dem Tierarzt. Gerade weil sich Arthrose oft schleichend entwickelt, werden erste Veränderungen im Alltag leicht übersehen oder unterschätzt. Dabei können schon kleine Verhaltensänderungen wichtige Hinweise liefern. Ein erster Schritt kann zusätzlich die Zoetis-Checkliste für Arthrose-Anzeichen sein, mit der man vorab eine Selbsteinschätzung vornehmen kann. Vielen Haltern hilft es außerdem, Veränderungen über einen längeren Zeitraum bewusst zu beobachten oder kurze Videos vom Bewegungsverhalten ihrer Katze aufzunehmen. Solche Eindrücke können auch für die tierärztliche Einschätzung hilfreich sein. Bei einem Verdacht sollte man nicht zögern und eine Praxis aufsuchen. Denn je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser lassen sich arthrosebedingte Schmerzen behandeln und lässt sich die Lebensqualität erhalten beziehungsweise zurückgewinnen. Viele Katzen profitieren deutlich von einer frühzeitigen und individuell angepassten Behandlung und gewinnen dadurch wieder mehr Bewegungsfreude im Alltag zurück.
Quellen: 1 Enomoto, M. et al., Vet Rec, 2019. 2 Hardie, EM, et al. J Am Vet Med Assoc, 2002.
5 Anzeichen für Arthrose bei Katzen
Diese Signale können auf arthrosebedingte Schmerzen hinweisen:
Wenn Sie solche Veränderungen bei Ihrer Katze bemerken, sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt. Je früher Arthrose erkannt wird, desto besser kann Ihrer Samtpfote geholfen werden. Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch auf der Website www.zoetispets.com oder machen Sie online den kostenlosen Arthrose-Check. In wenigen Minuten erfahren Sie, ob Ihre Katze Anzeichen für Gelenkbeschwerden zeigt.
Der Artikel wurde in Zusammenarbeit mit Zoetis umgesetzt.













