Soziale VerantwortungSponsored

Der gefährlichste Beruf der Welt?

CBM

Krisen, wohin man sieht, und zugleich eine Bundesregierung, die die Mittel für humanitäre Hilfe gekürzt hat. Zu Weihnachten erinnert die Christoffel-Blindenmission (CBM) an die Menschen, die weltweit ihr Leben riskieren, um in Krisenregionen wie dem Südsudan den Menschen beizustehen. Ein Interview mit dem Sicherheitsexperten der Christoffel-Blindenmission Tom van Herwijnen zur Lage im Südsudan.

Tom van Herwijnen war über Jahre für verschiedene Hilfsorganisationen in Afghanistan und anderen Konfliktgebieten im Einsatz. Bei der CBM ist er für die Sicherheit und den weltweiten Schutz der CBM-Mitarbeiter zuständig.

Tom van Herwijnen war über Jahre für verschiedene Hilfsorganisationen in Afghanistan und anderen Konfliktgebieten im Einsatz. Bei der CBM ist er für die Sicherheit und den weltweiten Schutz der CBM-Mitarbeiter zuständig.

Herr van Herwijnen, Sie waren kürzlich im Südsudan, was haben Sie erlebt?

Ich habe ein Land erlebt, in dem nichts und niemand sicher ist. Menschen, die eigentlich für Recht und Ordnung sorgen sollten, zum Beispiel die Polizei und das Militär, wurden seit Monaten nicht bezahlt. Mit anderen Worten: Menschen, die eine Waffe mit sich führen, haben nichts zu essen. Das ist brandgefährlich. Niemand ist sicher in diesem Land – auch nicht die Mitarbeiter der CBM oder anderer Hilfsorganisationen.

Wie genau hilft die CBM vor Ort?

Wir unterstützen die Augenabteilungen der Krankenhäuser und behandeln die Menschen in den Flüchtlingslagern. Seit dem Bürgerkrieg und seiner Unabhängigkeit ist das Land instabil und bankrott. Zusätzlich haben massive Überschwemmungen viele Menschen in Flüchtlingslager vertrieben. Durch die katastrophalen Zustände – durch Fliegen, den Dreck und verunreinigtes Wasser – haben sich Augenkrankheiten ausgebreitet. CBM-Mitarbeiter wie Samuel Lubari untersuchen die Augen der Menschen und behandeln sie bei Bedarf, etwa auf die Tropenkrankheit Trachom. Würden sie das nicht tun, würden sich Sehbehinderungen und Blindheit ausbreiten. Im Südsudan zu überleben, ist so schon schwer genug. Stellen Sie sich vor, Sie sind dann auch noch blind! Es geht um Leben und Tod: Wenn wir den Menschen nicht helfen, sterben sie – das ist die Realität.

Aber in den Krankenhäusern sind die Menschen sicher, oder?

Ich habe das Rubkona-Krankenhaus an der Grenze zum Sudan besucht, und in der Ambulanz waren die Wände von Kugeln durchlöchert. Es gab also sogar auf die Ambulanz schon einen Angriff. Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen damals gestorben sind.

Ihre Aufgabe bei der CBM ist es, für Sicherheit zu sorgen.

Ja, meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Menschen, die für die CBM in die Einsatzgebiete gehen, sicher wieder nach Hause kommen. Dazu gehört auch Krisenmanagement: Wenn es einen Überfall auf einen CBM-Mitarbeiter in einem Projektland geben sollte oder wenn jemand entführt wird, werde ich angerufen – auch nachts. Ich glaube, vielen ist gar nicht klar, dass die Menschen, die für Hilfsorganisationen im Einsatz sind, ihr Leben riskieren. Weltweit sterben jährlich viele Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen bei Hilfseinsätzen.

Wie sorgen Sie für die Sicherheit der Angestellten?

Alle CBM-Gebäude in Risikogebieten verfügen etwa über einen Bunker. Darin befinden sich auch Lebensmittel, Wasser und vieles mehr, um für einige Zeit darin zu leben. Kommt es zu Unruhen, können sich unsere Mitarbeiter dort in Sicherheit bringen. Auch veranstalten wir regelmäßig Trainings. Dabei lernen sie unter anderem, wie sie sich an Grenzübergängen und im Gespräch mit dem Militär verhalten. Auch üben sie, wie sie im Entführungsfall reagieren oder was sie tun können, wenn sie unter Beschuss geraten.

Über die Hälfte der Menschen im Südsudan sind Christen. Was wünschen Sie ihnen zu Weihnachten?

Ich wünsche ihnen von ganzem Herzen, dass sie Weihnachten ohne Angst feiern können und sich in ihren Kirchen versammeln können, ohne von einer gewalttätigen Miliz angegriffen zu werden. Ich wünsche ihnen, dass sie das heilige Fest begehen können ohne die Furcht, dass ihnen die wenigen Lebensmittel, die sie besitzen, gestohlen werden. Ohne dass eines ihrer Kinder entführt wird, um zum Kindersoldaten ausgebildet zu werden. Ich wünsche ihnen ein Weihnachtsfest, an dem sie hoffen können, dass ihr Land eines Tages wieder aufgebaut wird und ihre Töchter und Söhne nicht unnötigerweise erblinden müssen. Damit sie zur Schule gehen, einen Beruf erlernen und in Frieden leben können.

Das Interview ist in Zusammenarbeit mit der
Christoffel-Blindenmission e. V. entstanden.


Anzeige

Anzeige

Lass einen Kommentar da

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Weitere Inhalte von:Soziale Verantwortung

0 %