Ein Geschenk fürs Leben
Schwimmen gehört zu den wichtigsten Fertigkeiten, die Kinder erlernen können. Es fördert die Gesundheit, stärkt das Selbstvertrauen und eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für Spiel, Sport und Freizeit. Vor allem aber kann es Leben retten. Wasser übt auf Kinder eine große Anziehungskraft aus. Ob im Schwimmbad, am Badesee, am Meer oder sogar im heimischen Garten: Kinder kommen immer wieder mit Wasser in Berührung. Umso wichtiger ist es, dass sie lernen, sich darin sicher zu bewegen. „Wer seinem Kind das Schwimmen ermöglicht, schenkt ihm weit mehr als eine Freizeitbeschäftigung“, sagt Judith Bocklage, Referentin Schwimmen und Rettungsschwimmen beim DLRG Bundesverband. „Es geht um Sicherheit, Selbstvertrauen und die Fähigkeit, sich ein Leben lang sicher am und im Wasser zu bewegen.“

Judith Bocklage, Referentin Schwimmen und Rettungsschwimmen beim DLRG Bundesverband
Am Ende ihrer Grundschulzeit können jedoch viele Kinder noch nicht sicher schwimmen. Dabei ist Schwimmen eine Fähigkeit, die frühzeitig gefördert und geübt werden muss. Eltern spielen dabei eine wichtige Rolle, doch die eigentliche Schwimmausbildung gelingt in der Regel am besten in qualifizierten Schwimmkursen.
Schwimmen lernen braucht Experten
Natürlich wünschen sich viele Eltern, ihrem Kind das Schwimmen selbst beizubringen. Doch Fachleute empfehlen, die Schwimmausbildung qualifizierten Ausbildern zu überlassen. Sie verfügen über die notwendige fachliche und pädagogische Kompetenz und wissen, wie Kinder Schritt für Schritt den Lernprozess meistern. „Dieser Prozess ist komplex. Da geht es um weit mehr als das Vorankommen im Wasser“, erklärt Judith Bocklage. „Kinder müssen Vertrauen zum Wasser entwickeln, Bewegungsabläufe erlernen und gleichzeitig wichtige Sicherheitsregeln verstehen. Dabei können ausgebildete Schwimmausbilder sie gezielt begleiten.“
Ein guter Schwimmkurs beginnt nicht direkt mit dem eigentlichen Schwimmen. Zunächst lernen die Kinder das Wasser kennen, bauen Vertrauen auf und sammeln positive Erfahrungen. Spielerische Wassergewöhnung, Freude an der Bewegung und kleine Erfolgserlebnisse bilden die Grundlage für nachhaltiges Lernen. Für Eltern stellt sich dabei häufig die Frage, woran sie einen guten Schwimmkurs erkennen. Wichtig sind qualifizierte Ausbilder, eine freundliche und angstfreie Lernatmosphäre sowie ausreichend Zeit für jedes Kind. Die Gruppen sollten nicht zu groß sein, damit individuell auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden kann. Im Schnitt dauert ein Frühschwimmerkurs 15 bis 20 Stunden und wird mit einer kleinen Prüfung abgeschlossen.
Eltern sind wichtige Lernbegleiter
Auch wenn die Schwimmausbildung in den Händen von Fachkräften liegt, können Eltern selbst viel dazu beitragen, dass ihr Kind erfolgreich schwimmen lernt. „Die wichtigste Vorbereitung auf einen Schwimmkurs findet im Vorfeld eines Kurses in der Freizeit mit der Familie statt“, sagt Judith Bocklage. „Kinder, die regelmäßig Zeit im Wasser verbringen, sammeln wertvolle Erfahrungen und gehen häufig deutlich entspannter in ihren ersten Kurs.“
Regelmäßige Besuche im Schwimmbad helfen dabei, Berührungsängste abzubauen und Vertrauen zu entwickeln. Gemeinsam planschen, Bällen nachjagen, durchs Wasser laufen oder nach Tauchringen greifen: All diese Aktivitäten bereiten Kinder spielerisch auf das spätere Schwimmenlernen vor. Bereits beim Baden zu Hause oder beim Planschen im Kinderbecken können Kinder erleben, wie sich Wasser anfühlt und welche Freude Bewegung darin macht. Dabei gilt: Der Spaß sollte immer im Vordergrund stehen. Zu großer Ehrgeiz oder überzogene Erwartungen können Kinder schnell überfordern. Ohne Druck und mit viel Zuspruch verlieren Kinder meist schnell ihre Scheu. Wer Freude am Wasser entwickelt, lernt leichter und nachhaltiger.
Machen Sie Ihr Kind mit dem Wasser vertraut
Weitere Tipps zur Wassergewöhnung finden Sie hier.
Seepferdchen ist erst der Anfang
Viele Eltern verbinden das Seepferdchen-abzeichen mit sicherem Schwimmen. Tatsächlich markiert es jedoch vor allem den Einstieg in die Schwimmausbildung. Kinder zeigen damit, dass sie erste grundlegende Fertigkeiten im Wasser erworben haben. Von sicheren Schwimmern kann jedoch erst gesprochen werden, wenn sie die Anforderungen des Deutschen Schwimmabzeichens Bronze erfüllen. Dazu gehören unter anderem Ausdauer, Tauchen und Kenntnisse der Baderegeln. „Das Seepferdchen ist ein wichtiger Meilenstein und ein tolles Erfolgserlebnis für Kinder“, betont Judith Bocklage. „Eltern sollten es aber als Startpunkt verstehen. Sicher schwimmen zu können, ist das eigentliche Ziel.“ Darum sollten Familien den Weg nach dem Seepferdchen konsequent weitergehen. Wiederholtes Üben und weiterführende Kurse helfen, die erlernten Fähigkeiten zu festigen und auszubauen.
Du bist die Aufsicht
So wichtig das Schwimmenlernen auch ist: Selbst der beste Schwimmkurs entbindet Eltern nicht von ihrer Verantwortung. Gerade Nichtschwimmer und unsichere Schwimmer benötigen jederzeit die volle Aufmerksamkeit der Erwachsenen. Kleine Kinder sollten sich am und im Wasser nicht nur in Sichtweite, sondern möglichst in Griffweite befinden. Ein kurzer Blick auf das Smartphone, ein Gespräch mit Bekannten oder eine andere Ablenkung kann genügen, um gefährliche Situationen entstehen zu lassen. „Die Aufmerksamkeit der Eltern von Kindern, die nicht sicher schwimmen, ist durch nichts zu ersetzen“, sagt DLRG-Expertin Bocklage. „Die Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer überwachen den gesamten Badebetrieb und können mit den Augen nicht überall gleichzeitig sein. Die Verantwortung für das eigene Kind liegt daher immer bei den Eltern.“ Viele Erwachsene verlassen sich zudem auf Schwimmflügel, Schwimmreifen oder andere Auftriebshilfen. Diese können zwar unterstützen, sind aber ebenfalls nicht als Ersatz für die Aufsicht durch Erwachsene geeignet und bieten keinen sicheren Schutz vor dem Ertrinken.
Ein Geschenk fürs Leben
Kinder beim Schwimmenlernen zu begleiten, bedeutet, ihnen Sicherheit, Selbstständigkeit und wertvolle Erfahrungen mit auf den Weg zu geben. Schwimmkurse schaffen dafür die fachliche Grundlage. Eltern können diesen Weg durch gemeinsame Zeit im Wasser, positive Erlebnisse und ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit wirksam unterstützen. Denn Schwimmen ist weit mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Es ist eine Fertigkeit, die Sicherheit schenkt, Selbstvertrauen stärkt und Menschen ein Leben lang begleitet. Anders als viele Sportarten lässt sich Schwimmen bis ins hohe Alter ausüben – gelenkschonend und gut für Herz und Kreislauf. Wer als Kind positive Erfahrungen im Wasser sammelt, bleibt ihm oft ein Leben lang verbunden: als Ausgleich, für die Gesundheit oder einfach aus Freude an der Bewegung. Und genau deshalb gehört das Schwimmenlernen zu den wertvollsten Geschenken, die Eltern ihren Kindern machen können.
Der Artikel ist in Zusammenarbeit
mit dem DLRG entstanden.













