Es gibt Momente, in denen man spürt: Etwas stimmt nicht – auch wenn es zunächst niemand benennen kann. Becki, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, bekam BPDCN diagnostiziert, eine seltene Blutkrebserkrankung.
Liebe Becki, wann hast du gemerkt, dass etwas nicht stimmt?
Das war im März 2022. Im Gym sah ich plötzlich auf meiner Brust, direkt unter dem Schlüsselbein, einen Fleck, der wie ein Bluterguss wirkte. Er ging nicht weg; stattdessen kamen weitere Stellen hinzu, ohne dass ich mich gestoßen hätte. Ich suchte nach Erklärungen, dachte an Stress, Schlafmangel oder einen Infekt und verspürte ein Unbehagen, das ich nicht deuten konnte.
Beim Hausarzt waren die Blutwerte normal?
Ja, das hätte mich beruhigen sollen, hat mich aber weiter verunsichert: Auf dem Papier war alles „normal“, aber mein Körper fühlte sich anders an. Ich hing in einer Art Warteschleife.
Wie kam es zur Diagnose?
Ich habe dann selbst einen Hämatologen aufgesucht und es folgten Scans und eine Biopsie. Zum ersten Mal fühlte ich mich nicht alleingelassen. Das Material ging in Speziallabore, am Ende stellte ein Dermatologe die Diagnose: BPDCN. Es war ein harter Schlag und gleichzeitig eine Erleichterung, weil es nun Klarheit gab.
Wie wurdest du behandelt?
Ich bekam zunächst eine auf die Krebszellen zielgerichtete Therapie und anschließend eine starke Chemotherapie. Zusätzlich erhielt ich eine intrathekale Chemotherapie, die direkt in die Rückenmarksflüssigkeit injiziert wird, um das Gehirn vor dem Krebs zu schützen. Die Nebenwirkungen waren heftig – Übelkeit, Schwäche, Haarausfall, Schmerzen –, aber ich habe durchgehalten. Danach folgte die Stammzelltransplantation. Meine Schwester war meine Spenderin, und ich bin ihr bis heute unendlich dankbar. Ohne sie wäre ich nicht hier, sie ist meine Heldin. Von Mai bis Oktober 2022 verbrachte ich insgesamt rund dreieinhalb Monate im Krankenhaus und viele Stunden in der Tagesklinik.
Was war in dieser Zeit das Schwerste für dich?
Die Trennung von meinen Kindern. Die Schmerzen, die ich hatte, waren schlimm, aber sie vergehen. Das Getrenntsein nagt immerzu. Während eines langen Klinikaufenthalts bin ich innerlich zusammengebrochen, still. Ich dachte nur: Ich will nach Hause, ich will meine Kinder sehen. Und gleichzeitig wusste ich, dass ich nicht einfach gehen kann.
Heute bist du in Remission.
Ja, und ich habe meinen Alltag zurück: Kinder, Kochen, Garten. Und trotzdem bleibt die Erkrankung präsent, der Körper erinnert sich, der Kopf auch. Manchmal überkommt mich die Traurigkeit wie eine Wolke. Mir helfen dann Meditation, Dankbarkeit und die Idee, dass mein Leben nicht „groß“ sein muss, um gut zu sein. Die kleinen Momente reichen.
Du warst auch bei der SEBRACON und hast über deine Erfahrungen gesprochen. Warum ist dir das wichtig?
Weil BPDCN so selten ist und weil Menschen diese Krebserkrankung überleben können. Aufklärung ist nicht abstrakt. Sie kann bedeuten, dass jemand früher diagnostiziert wird und schneller die richtige Therapie erhält. Das gibt Hoffnung, und die ist sehr wichtig, besonders wenn man sich sehr allein fühlt.
Was wünschst du dir von Hausärzten?
Früher überweisen, wenn man nicht weiterkommt. Auch bei normalen Blutwerten: Ungewöhnliche Hautveränderungen und anhaltende Symptome sollten Fachleute sehen und ernst nehmen. Hätte ich damals nicht eigenständig gehandelt, wäre ich heute nicht mehr da.
Was möchtest du Betroffenen sagen?
Hoffnung und Selbstwirksamkeit sind wichtig: recherchieren, Fragen stellen, dranbleiben. Und wenn möglich: Holt euch Unterstützung, auch psychologisch.
Das Interview wurde mit freundlicher Unterstützung
der Menarini Stemline Deutschland GmbH umgesetzt.
Informationen für Betroffene
Wenn Sie mir über BPDCN erfahren möchten, lesen Sie die Patientenbroschüre oder besuchen Sie die Website www.bpdcn.de/tatort-haut für weitere Informationen zur Erkrankung.












